Eine Geschichte der Sicherheit im Straßenverkehr

Keine Scheinwerfer, keine Sicherheitsgurte und manuelle Bremsen, die erst nach sekundenlangen Verzögerungen reagierten: Vor mehr als 100 Jahren galten Autos als so unsicher und furchteinflößend, dass in bewohnten Orten häufig ein Mann mit einer Laterne vorangehen musste, um vor der drohenden Gefahr zu warnen.

Diese Zeiten sind natürlich schon lange vorbei, aber selbst heute so selbstverständliche Einrichtungen wie der Sicherheitsgurt sind relativ modern: Erst seit Mitte der 70er Jahre müssen Neuwagen überhaupt einen Gurt besitzen und bis in die 80er wurde das Fahren ohne Anschnallen überhaupt nicht geahndet. Heute ist es hingegen ausgeklügelte Hightech, die das Fahren immer sicherer machen soll.

Vom passiven zum aktiven Sicherheitskonzept

In den letzten Jahrzehnten haben sich die Grundlagen für die Fahrsicherheit mehr und mehr verschoben. Lange Zeit stand die passive Sicherheit im Vordergrund – Folgen eines Unfalls sollten auf ein Minimum an Schäden reduziert und die Beteiligten effektiv vor Verletzungen geschützt werden.

Verstärkte Fahrgastzellen und eine Knautschzone, die die Energie eines Aufpralls abfangen soll, gelten als typische Beispiele für dieses Vorgehen. Mittlerweile sind die meisten Autos bereits so geschickt und robust konstruiert, dass sich selbst nach einem Frontalaufprall zweier Fahrzeuge mit mehr als 60 km/h die Türen noch problemlos öffnen lassen.

Geschichte der Sicherheit - AirbagDie letzte große Neuerung in diesem Bereich war die Einführung des Airbags, der trotz aller Polemik die Fahrgastsicherheit noch einmal deutlich gesteigert hat. Inzwischen gelten die Möglichkeiten als weitgehend ausgereizt – neue Ansätze setzen sich durch, die den Fokus von einem passiven Schutz zu aktiver Unfallvermeidung verlagern.

Vorreiter in diesem Bereich waren und sind teure Limousinen, doch deren Innovationen setzen sich auch in der Mittel- und Kompaktklasse immer weiter durch.

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Sicheres Fahren durch Elektronik und Computer

Als Pionier der aktiven elektronischen Sicherheit gilt nach wie vor das Antiblockiersystem – kurz ABS – das heute aufgrund einer Selbstverpflichtung der Automobilindustrie in allen PKW unter 2,5 Tonnen zum Standard gehört. Eine Elektronik verhindert bei einem starken Abbremsen, dass die Räder blockieren und verkürzt dadurch einerseits den Bremsweg und garantiert andererseits auch, dass ein Fahrzeug weiter lenkfähig bleibt.

Geschichte der Sicherheit - ElchtestErste Eingriffe in die Fahrdynamik und das Lenkverhalten selbst wurden durch das elektronische Stabilitätsprogramm ESP möglich, das 1998 im Zuge des legendären Elchtests populär wurde. Nicht einmal zehn Jahre später verwendeten 100 % der Oberklasse und fast ausnahmslos alle Autos der Mittelklasse das neue System, ohne dass die Mercedes A-Klasse bei mehreren abrupten Lenkbewegungen auf die Seite kippte und anschließend spektakulär umfiel.

Seit 2014 ist ESP in allen Neuwagen der EU Pflicht. Während ESP jedoch nur auf die Bewegungen des Fahrers reagiert, werden moderne Systeme von selbst aktiv. In kurzer Folge entwickeln die Konstrukteure seitdem – unterstützt durch immer leistungsfähigere Computer im Auto – neue Verfahren. Spur- und Abstandshalter, automatische Notbremssysteme und adaptive Scheinwerfer, die die Straße immer optimal ausleuchten, gehören heute bei teuren Autos bereits häufig zur Grundausstattung.

Wer hat da geblinzelt?

Aber nicht die Autos alleine werden immer stärker überwacht und im Notfall elektronisch zur Ordnung gerufen. Neuerdings gilt die Aufmerksamkeit der bordeigenen Technik auch dem Fahrer selbst. Kameras richten sich auf ihn und wer die Augen allzu lange schließt, wird mit einem scharfen Warnton aus dem mitunter tödlichen Sekundenschlaf gerissen.

Mercedes bietet einen individuell einstellbaren „Aufmerksamkeit Assistenten“, der eine ähnliche Funktion besitzt. Noch weiter gehen unter anderem Peugeot und Citroën. Sie arbeiten an einer Software, die mittels Infrarotkamera die Gesichtszüge erfasst und angeblich sogar die aktuelle Stimmung des Fahrers erkennen kann. Anschließend schlägt das System dazu passende Musik vor, macht bei Müdigkeit das Licht an oder erhöht den Sicherheitsabstand.

Parallel zieht immer mehr Hightech in die Konstruktion ein – nicht selten stammen die Ideen aus dem militärischen Bereich. Neben bereits gebräuchlichen Geräten wie etwa Radarsensoren zur Abstandsmessung und zur Erfassung von Hindernissen gibt es bereits erste Modelle, die die Umgebung mit Nachtsichtgeräten beobachten und beispielsweise Personen in die Windschutzscheibe projezieren.

 

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MisterGrip

Author: MisterGrip

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