Können Frauen wirklich nicht einparken?

Frauen können nicht einparken. Es ist wahrhaft ein Klassiker unter den Geschlechterfragen. Oftmals als witziger Stereotyp geführt, gern aber auch mit vollem Ernst. Aber wie steht es um die Wahrheit hinter dieser Behauptung? Sind Frauen schlechter im Einparken als Männer?

Was sagt die Wissenschaft?

einparken-frauen-vs-maennerDass dieses Vorurteil eine so weite Verbreitung genießt, zeigen nicht zuletzt die zahlreichen wissenschaftlichen Studien, die sich im Laufe der Jahre explizit mit diesem Thema beschäftigt haben.

Interessant ist dabei: Die Ergebnisse der Forschungen sind geringfügig unterschiedlich. Wissenschaftler der Biopsychologie von der Ruhr-Universität-Bochum testeten im Jahr 2010 die praktischen Fahrkünste von Frauen und Männern und nahmen bei den Probanden und Probandinnen zusätzlich auch einige psychologische Tests vor.

Kurz zusammengefasst: Die Männer parkten das Testauto durchschnittlich 42 Sekunden schneller und 3% genauer ein als die weiblichen Teilnehmer.

Im Zusammenhang mit den mentalen Tests kamen die WissenschaftlerInnen zum Ergebnis, dass dieser Unterschied primär auf soziale Ursachen zurückzuführen ist.

Frauen sehen das Einparken als Schwierigkeit, als Bedrohung (nicht zuletzt, weil ihnen schon vorab zugeschrieben wird, schlecht darin zu sein und sie jedes Mal auf ein neues gegen dieses Vorurteil ankämpfen müssen) und setzen sich selbst unter Druck.

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Männer empfinden den selben Prozess eher als Herausforderung, die es in einem Maße zu meistern gilt, dass sie zur Routine wird die nicht jedes Mal auf ein neues streng kontrolliert werden muss.

2012 widmete sich eine britische Studie den Geschlechtsunterschieden bei den Fahrkünsten. Der Parkplatzbetreiber NCP filmte einen Monat lang auf 700 Parkplätzen rund 2500 einparkende Autos.einparken-im-parkhaus

Die Ergebnisse: Weibliche Fahrer fanden schneller einen Parkplatz – sie suchen aufmerksamer, bedachter und langsamer nach freien Stellplätzen, übersahen diese also nicht oder fuhren daran vorbei.

Frauen manövrierten ihre Fahrzeuge darüber hinaus rückwärts gewissenhafter ein als Männer. NCP maß die jeweiligen Fahrkünste wohlgemerkt in erster Linie an den Vorgaben von Fahrschulen.

Die Frauen unter den beobachteten Versuchsteilnehmern hielten sich demnach präziser an die Lehren des Fahrunterrichts, während Männer pragmatischer aber dadurch ineffektiver vorgingen.

StudentInnen der dualen Hochschule Baden-Württemberg Mannheim gingen der Frage der Fragen im Jahre 2014 mittels Feldbeobachtungen nach. Sie verteilten sich auf Parkhäuser und beobachteten, ausgerüstet mit einer Stoppuhr, die Einparkmanöver von insgesamt 411 Männern und Frauen.

Und siehe da – hier waren die Frauen durchschnittlich 3 Sekunden schneller.

Auch machte sich Fahrerfahrung scheinbar bemerkbar: Mit dem Alter der FahrerInnen stieg auch die Sicherheit und Geschwindigkeit, mit der eingeparkt wurde.

Was sagen uns die relativ unterschiedlichen Ergebnisse über das Einparken?

Betrachtet man die angeführten Studien und weitere wissenschaftliche Untersuchungen auf einer Metaebene, wird relativ schnell klar: Es lässt sich definitiv nicht verallgemeinern, das Frauen schlecht einparken würden.

Aber sicher ist, dass man „das Einparken“ nicht als einen alleinstehenden Vorgang betrachten kann, dessen Erfolg sich völlig unabhängig von anderen Faktoren bestimmen ließe.

einparken-eine-katastropheVielmehr liegt gar die Vermutung nahe, dass sich die Einparkfrage in eine Reihe weiterer selbsterfüllender Prophezeiungen des menschlichen sozialen Miteinanders einordnet.

Auf manche Frauen mag der Druck dieses Vorurteils so sehr lasten, dass sie in der Konsequenz angesichts dieser erschwerenden Umstände tatsächlich Schwierigkeiten beim Parkmanöver haben.

Zoomt man noch eine Stufe weiter heraus, kann man auch annehmen, dass Frauen gegebenenfalls anfälliger für derartige Suggestionen sind – wie bereits angeführt sind, nehmen Männer ihre Hürden eher als Herausforderungen an, die es (auch zur Etablierung und Wahrung eines „männlichen“ Images) möglichst lässig zu bewältigen geht.

Fazit

Männer können ihre Gefühle nicht zeigen, nicht kochen, nicht romantisch sein, interessieren sich nur für Autos und Fußball – wenn auch Du dich irgendwie von diesen Stereotypen angesprochen fühlst (ob zustimmend oder ablehnend), behalte im Hinterkopf, dass „Frauen können nicht einparken“ genauso ein Vorurteil ist, dass sich wissenschaftlich offensichtlich nicht bestätigen lässt.

Unser Leben ist zu komplex, um derartige Verallgemeinerungen gültig werden zu lassen. Beim schlechten Einparken spielt mehr als nur das Geschlecht eine Rolle.

 

 

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MisterGrip

Author: MisterGrip

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