Kampagnen gegen Raser – überzeugend oder überflüssig?

Deutschlands Autobahnen sind international für hohe Tempolimits bekannt. Doch die Geschwindigkeiten moderner Fahrzeuge bedeuten auch bei höchster Qualität ein Risiko für die Insassen und andere Beteiligte. So starben allein in Deutschland im Jahr 2015 etwa 3500 Personen bei Verkehrsunfällen, dies entspricht ca. 10 Opfern pro Tag. Bundesweite Kampagnen wie „Runter vom Gas“ oder Videos von Stars im Internet sollen die Unfälle und somit auch die Zahl der Opfer minimieren. Wie funktionieren diese Maßnahmen und wie effektiv sind die Kampagnen gegen zu hohes Tempo im Straßenverkehr?

Der Tod kommt schnell

kampagnen beitrag1Auf der Autobahn besteht genug Potential, dass auch bei vollster Aufmerksamkeit und einer vorbildlichen Fahrweise ein Unfall passieren kann. Bei hoher Geschwindigkeit sind die Auswirkungen enorm, da auch die robusteste Karosserie und die größte Knautschzone irgendwann aufgebraucht sind. Um ohne die Tempolimits drastisch zu senken, intensive Maßnahmen für mehr Fahrsicherheit zu erzielen, sollten Kampagnen direkt am Ort des Geschehens für Aufmerksamkeit sorgen und dort ansetzen, wo sonst die Selbstüberschätzung zuschlägt.

Schon vor dem Start der Kampagne „Runter vom Gas“ gab es Maßnahmen gegen Raser auf Bundesebene.

Im Jahr 2008 startete das Projekt mit dem Hauptaugenmerk auf Bielefeld, Ostwestfalendamm. Am Verkehrsknotenpunkt, über den täglich etwa 80.000 Autos rollten, sollte die Werbeaktion dementsprechend in Szene gesetzt werden. Auf Bielefeld folgten alle weiteren Bundesländer, welche an einer Autobahn liegen. Hand in Hand mit dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, sowie dem deutschen Verkehrssicherheitsrat sollten vier Plakatserien an Straßen veröffentlicht werden.

Kampagnen „Runter vom Gas“

Im Jahr 2008 startete die Kampagne nicht nur auf Bannern, die mit Warnhinweisen versehen waren, auch der Rand der Autobahnen und Landstraßen wurde zum Träger der Botschaft: Wer langsamer fährt, bleibt länger am Leben.

Die Botschaft wurde mit Plakatwänden übermittelt, die ihre emotionale Wirkung nicht verfehlen sollten. Im Jahr 2008 begann man mit Todesanzeigen, auf denen Foto, ein Name und der Grund für den Unfalltod standen. Die nett lächelnde Familie, die nur schnell nach Hause wollte, hat es nicht geschafft.kampagnen beitrag3

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In den Folgejahren kamen Fotos von Unfallszenarien mit glücklichen Botschaften wie Just Married, Baby an Bord und weitere. Auch Bilder von Schwerverletzten oder Angehörigen, welche die Unfallopfer betrauern, waren Teil der Kampagne. Die Initiatoren erhielten zudem für ihre Arbeit mit bewegten Bildern diverse Auszeichnungen. Die Erklärvideos wurden von Fahrlehrern als Teil der Vorbereitung auf den Führerschein genutzt. Im Jahr 2010 folgte das Ende der Kampagne – aus Gründen des Misserfolgs?

Erfolglose Kampagne ohne Anschluss?

Bei einer Auswertung durch die Universität Mainz kam zum Vorschein, dass etwa 50 Millionen Menschen allein die Kampagne „Runter vom Gas“ wahrgenommen haben. Bei 71% der Befragten sollen die Plakate, welche das deutliche Ende der gefährlichen Fahrweise darstellen, ihre Wirkung gezeigt haben. Etwa 10 Millionen gaben zudem an, dass das Thema in ihrem Umfeld regelmäßiger ins Gespräch kam. So ist auch die Zahl der Unfälle in den letzten Jahren mit wenigen Ausnahmen stetig gefallen.

Durch schockierende Bilder, welche Erinnerungen an verstorbene Bekannte oder das Gefühl der Verlustangst aufkommen lassen, werden wir emotional berührt. Ob Du die Kampagne magst oder nicht, bei einem Blick auf ein Familienfoto und der Gewissheit, dass die Insassen allesamt bei einem tragischen Autounfall ausgelöscht wurden, sollten auch beim härtesten Raser die kampagnen beitrag2Alarmglocken läuten.

Verschiedene Maßnahmen effektiv vereint

Das Jahr 2015 war nicht nur gezeichnet von Unfällen auf der Autobahn, auch in der Stadt kam es zu Opfern, so z.B. in Köln. Der Kölner Ring gilt bei Rasern als beliebte Stadtautobahn, Die Opfer sind dabei meist die Schwächsten: Fußgänger und Radfahrer. Mit getunten Boliden versuchen Halbstarke einen Ersatz für so manche Schwachstelle zu finden und eifern imaginären Figuren aus Filmen nach.

Die Polizei rüstet in diesen Gebieten mit entsprechenden Kalibern nach, PS-technisch betrachtet. Auch moderne Kampagnen im Internet, wie von Youtubestars, welche vor allem die Jugend erreichen, schaffen es, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Du dich zwar cool fühlst wenn du an allen vorbeirauschst, allerdings deines Lebens nicht mehr froh wirst, wenn Du eine Mutter und ihr Baby auf dem Gewissen hast. Aktive Maßnahmen wie Blitzer und eine hohe Polizeipräsenz sind in entsprechenden Gefahrengebieten für viele wohl die einzige Lösung.

 

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MisterGrip

Author: MisterGrip

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