Geheime Symbole: Die Entschlüsselung der Reifenbezeichnung

Eigentlich gehört es in der Fahrschule zum Grundwissen – doch für viele Autofahrer sind Reifenbezeichnungen ähnlich kryptisch wie die Inschriften in einer lange ausgestorbenen Sprache.

195/D75 08 15H oder war es doch eher 155/65 R14 T75? Steht M+S für Mitten im Sommer oder gibt es S+W für Sommer und Winter oder doch lieber gleich getrennte Winter- und Sommerreifen statt Ganzjahresreifen? Wo liegt der Unterschied zwischen TT und TL und warum haben Pirelli a-Reifen eigentlich nichts an einem Mercedes zu suchen? Und überhaupt, wieso musst Du bei manchen Reifen zusätzlich einen Aufkleber im Blickfeld des Fahrers anbringen?

Für die wichtigsten Eigenschaften gilt ein Standard

Um ein wenig Ordnung in das Durcheinander der Reifentypen zu bringen, gelten zumindest bei den gesetzlich vorgeschriebenen Parametern eigentlich einige sehr einfache Regeln. Wenn du einen Reigen 195/65 R15 H Reifen nimmst, gibt der erste Wert – als einziger dreistellig – die Reifenbreite des unbelasteten Reifens in mm an. Breite Reifen haben den Vorteil einer größeren Oberfläche und damit auch einer höheren Bodenhaftung. Dies macht sich vor allem beim Beschleunigen, Bremsen und in Kurven bemerkbar. Allerdings sind sie auch meist teurer, nutzen sich schneller ab und erhöhen wegen des ebenfalls höheren Widerstands den Kraftstoffverbrauch leicht.

65 bezeichnet das Verhältnis der Höhe der Reifenwand – also des Bereichs zwischen Felge und höchstem Punkt – und der Reifenbreite. Eine niedrige Zahl bedeutet deshalb auch eine relativ niedrige Seitenwand.

Das Geheimnis der Reifenbezeichnung - ProfilAnschließend kommt der Buchstabe R oder D beziehungsweise ein -. R steht für eine radiale und D oder – für eine diagonale Bauweise. Heute werden fast ausschließlich R-Reifen verwendet. Wichtig ist eigentlich nur, dass eine Mischbestückung von R und D gesetzlich verboten ist. Hinter dem Buchstaben folgt der Durchmesser der Felge in Zoll – üblich sind bei einem PKW hier Werte zwischen 14 und 18, bei einem SUV teilweise auch größere Felgen.

Das zweite Paar: Geschwindigkeit und Tragfähigkeit

Die oben genannten Angaben bilden in der Regel einen ersten zusammenhängenden Block, dem mindestens ein zweiter folgt. Er beinhaltet eine Kennzahl für die Tragfähigkeit – also die maximale Belastung in Kg auf einem Reifen – und einen Buchstaben für maximal zulässige Höchstgeschwindigkeit. Die exakten Werte lassen sich aus entsprechenden Tabellen ablesen und betragen für die Tragfähigkeit zwischen 272 Kg bei der Kennzahl 63 und 1,6 Tonnen bei der Kennzahl 124.

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Die Angabe der Geschwindigkeit ist alphabetisch beginnend mit dem Buchstaben F geordnet und erhöht sich bis U in Schritten von 10 km/h. So erlaubt ein F-Reifen beispielsweise eine maximale Geschwindigkeit von 80 Km/h, T bis 190 Km/h. Es gibt allerdings eine wichtige Ausnahme: Ein Reifen der Klasse H ist bis 210 Km/h zugelassen. Ab U steigt die Angabe jeweils um 30 km/h.

Das Geheimnis der Reifenbezeichnung - BMWDementsprechend sind bei V 240 Km/h erlaubt, bei W 270 km/h und bei Y sogar 300 km/h. Der Reifen muss dabei immer der Höchstgeschwindigkeit des Autos entsprechen, nicht der tatsächlich gefahrenen.

Besondere Regeln und spezielle Bezeichnungen

Die Doppelgruppe aus Reifengröße und Eigenschaften sind gesetzlich standardisiert und finden sich auf jedem Reifen. Darüber hinaus gibt es jedoch noch weitere Bezeichnungen: So steht M+S für Matsch und Schnee und bezeichnet Winterreifen.

Da dies allerdings keine geschützte Bezeichnung ist, tendieren vor allem chinesische Hersteller dazu, sie auf jeden ihrer Reifen zu drucken – auch wenn diese die Voraussetzungen nicht einmal annähernd erfüllen. Sicherer ist deshalb das amerikanische Alpine-Symbol, das einen stilisierten Berg mit einer Schneeflocke darstellt.

M+S Reifen dürfen darüber hinaus auch unter der maximalen Höchstgeschwindigkeit gefahren werden, sofern ein auffälliger Aufkleber im Sichtfeld des Fahrers diese angibt. Ein Verstoß wird mit dem horrenden Bußgeld von 5 Euro geahndet.

Zusätzlich haben bestimmte Hersteller auch noch eigene Zeichen eingeführt – so steht etwa das erwähnte a bei Pirelli für den Autobauer Audi, mit einem * bezeichnet BMW eigene Reifen für seine Automodelle. Die Laufrichtung wird bei allen Reifen meist durch einen Pfeil angezeigt. Das erwähnte Beispiel S+W gibt es übrigens gar nicht.

 

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MisterGrip

Author: MisterGrip

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