Gefährliche Selbstüberschätzung: Illegale Autorennen

Diesen September stehen zwei Männer in Berlin vor Gericht, die bei einem illegalen Autorennen auf dem Ku’damm in das Fahrzeug eines Unbeteiligten gerast sein und den Fahrer getötet haben sollen. Die Anklage lautet auf Totschlag. Eine Verurteilung könnte richtungsweisend für die Bekämpfung eines immer größer autorennen-trotz-strafenwerdenden Problems in Deutschlands Innenstädten sein.

Seit Jahren gibt es immer wieder Tote durch illegale Autorennen

Der Fall in Berlin ist nicht der erste seiner Art. In Köln, der Hauptstadt der Streetracer-Szene, starben bei einem Unfall im letzten Jahr allein drei Menschen – der Fahrer hatte die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren und war in eine Gruppe Passanten gerast.

Bereits 2001 starb ebenfalls in Köln ein an einer Ampel wartender Fußgänger, als eines der rennbeteiligten Fahrzeuge ihn erfasste – der Tote war der Sohn des damaligen Kölner Oberbürgermeisters. Weitere tödliche Unfälle in Köln, Frankfurt, Bochum und Ludwigshafen zeigen die Gefahren auf, die von illegalen Straßenrennen ausgeht.

Rasen für den Kick

Die Streetracer stört das wenig. Die Szene mutet ein wenig wie ein Klischee an: Meist junge Männer zwischen 18 und 25, oft aus sozial schwierigen Verhältnissen, im Niedriglohnsektor beschäftigt oder arbeitslos, treffen sich nachts mit ihrem getunten Fahrzeugen oder gemieteten Sportwagen irgendwo im Innenstadtbereich. Kurze Sprints von Ampel zu Ampel sorgen für den Nervenkitzel.

Andere Verkehrsteilnehmer oder Passanten sind dabei egal. Mit der Polizei wird sich ein Katz-und-Maus-Spiel geliefert – die Rennen sind kurz, verteilen sich über den autorennen-nicht-nur-aus-der-tunerszeneInnenstadtbereich und den breiten Straßen. Nicht selten stehen an den Zufahrtsstraßen Aufpasser, die die Streetracer vorwarnen, wenn die Polizei anrückt.

Bisherige Strafen schrecken nicht ab

Werden dann doch einmal Streetracer von der Polizei aufgegriffen, beginnen oft langwierige Verfahren. Nach bisheriger Gesetzeslage ist jede Form der Teilnahme an Autorennen auf öffentlichen Straßen illegal, nicht nur Fahrer, auch Beifahrer, Zuschauer und Organisatoren können belangt werden. Hohe Bußgelder, Fahrverbote und Punkte in Flensburg drohen. Wer Personen gefährdet, begeht eine Straftat – Bewährungs- oder Gefängnisstrafen bis zu fünf Jahren sind dafür vorgesehen.

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Abschreckend ist das für die meisten nicht. Die Kölner Unfallfahrer aus dem vergangenen Jahr sind mit Bewährungsstrafen davongekommen. Wird im nun anstehenden Prozess in Berlin die Täter für Totschlag verurteilt – was eine Mindeststrafe von fünf Jahren Gefängnis bedeutet – könnte das unter Umständen mehr Wirkung zeautorennen-in-deutschen-innenstaedtenigen.

Die bisherigen Strafen scheinen angesichts der großen Gefahren zu milde.

Polizei reagiert auf illegale Straßenrennen, Politik tut sich schwer

Die Polizei reagiert auf die wachsende Szene der Streetracer. Die Kölner Polizei hat eine eigene Kampagne gegen illegale Autorennen ins Leben gerufen und eine Sondereinheit gebildet. Auch in anderen Städten ist zu erwarten, dass die Polizei verstärkt auf die Streetracer-Szene reagiert. Die Forderung nach härteren Strafen und Prävention ist bei der Politik angekommen, aber mit einer vernünftigen Lösung tut sie sich schwer.

Auch weil sie scheinbar die komplette Tuner-Szene ins Visier genommen hat – doch Autobastler und Streetracer sind nicht identisch. Zwar sind viele Raser auch in der Auto-Tuning-Szene aktiv, aber die Leidenschaft für Technik sollte nicht mit der Suche nach dem Kick der Geschwindigkeit und Gesetzesüberschreitung verwechselt werden.

So wartet auf die Behörden und die Politik noch eine gewaltige Aufgabe, die wachsende Streetracer-Szene zu erreichen. Solange keine wirkungsvollen Instrumente zur Hand sind, Abschreckung nicht funktioniert und die wahren Ursachen solcher Symptome wie Streetracing angegangen werden, muss mit weiteren Toten auf den innerstädtischen Straßen deutscher Großstädte gerechnet werden.

 

 

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MisterGrip

Author: MisterGrip

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